Die neue Kathedrale des guten Geschmacks

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Ich glaube an den puren Geschmack von natürlichen Lebensmitteln. Ich glaube an die saisonale Küche. Ich glaube an inspirierte Köche, die mich als Gast und nicht irgendwelche Kritiker überzeugen wollen. Ich glaube ein Gläschen Wein zum Essen schadet nie. Das ist mein Glaubensbekenntnis und in der für mich neu entdeckten Kathedrale des guten Geschmacks lässt sich dieses hervorragend spirituell leben. Denn das erst vor kurzem eröffnete „Blue Mustard“ in der Dorotherergasse in der Innenstadt von Wien bietet all diese weltlichen Genüsse zu einem sündhaft guten Preis-Leistungsverhältnis. Bereits beim Eintreten, kommt man ins Staunen, ist im Entrée-Bereich doch tatsächlich ein Foodtruck aufgestellt, der tagsüber mit kleinen Köstlichkeiten und Coffee-to-go versorgt. Weiter hinein, wird man dieser Tage durch die äußerst angenehm klimatisierten Räumlichkeiten erfrischt. Die Tische wurden rund um die zentral stehende Bar arrangiert, die gewissermaßen das Interor-Design-Highlight bildet und an religiöse Bauten erinnert. Dieser Genuss-Religion mit dem spirituellen Führer, Alexander Mayer, trete ich gerne bei, den sie hat mich optisch und geschmacklich voll überzeugt.

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Bestellt werden können 4- oder 6-gängige Menüs oder „À-la-carte“. Meine Begleitung und ich testeten das viergängige das „From Vienna to Napoli“-Menü um 59,- Euro und die sechsgängige Carte Blanche-Menüfolge für wohlfeile 78,- Euro , die sich im Grunde aus einer Überraschungs-Kombination der 3 verfügbaren Menüs zusammenstellt.

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Jedenfalls wird es wohl nicht lange dauern, bis die Allgemeinheit und somit auch die Restaurantbewerter zuschlagen und es dadurch wie immer eine Challenge wird, spontan (also 3 Tage vorher 😉 ) einen Tisch zu bekommen. Daher lieber gleich hingehen, genießen und danach brav dem Herrgot, Allah, Buddah oder sonst wem danken, dass sich doch noch immer wieder motivierte Gastronomen trauen, ein neues Restaurant bei uns in Wien zu eröffnen!

Menü „From Vienna to Napoli“

sommer ernte
Bach Tomaten · Marchfeld Artischocke · Büffelmilch · Basilikum

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styria beef
Eingelegte Eierschwammerl · Kernöl-Guacamole · Liebstöckl · Parisiei

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peperonata Bio
Poularde · Pfefferblatt · Camaro-Garnele · Salsiccia Ravioli

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brioche
Rosen-Marille · Lavendel · Sauerrahm · Mirto

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Carte Blanche Menü

pistou gazpacho
Mara des Bois Erdbeeren · Rote Früchte · Piment d‘Espelette · Joghurt · Bulgur

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merluzzo „salsa verde“
Atlantik Kabeljau · Venus Muscheln · Grünes Gemüse · Algencrisp

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beurre sale
Butterkaramell · Fleur de Sel · Schokolade

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orient expresso
Arabisches Mokkamousse · Knusprige Milchblätter · Kardamom · Mandeleis

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Tastes good to me!

 

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Koreaner essen auch Brot und Butter

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Immer auf der Suche nach neuen Lokalen, die sehr gut sind aber noch nicht total überlaufen, sodass man ohne ein Monat vorher zu reservieren spontan einen Tisch für zwei Personen bekommt, sind wir zufällig auf das neu eröffnete „Modern Korean“ gestoßen. Vielleicht lag es daran, dass Montag und Länderspiel war, aber wir reservierten um 18 Uhr und bekamen sofort einen Tisch. Vielleicht wurde die Werbetrommel aber auch noch nicht zu intensiv gerührt, da das Lokal erst seit 1. September in den ehemaligen Kim-kocht-Räumlichkeiten in der Lustkandlgasse 4-6 im 9. Wiener Bezirk gibt. Und wer könnte Kim besser nachfolgen, als einer ihrer Schüler? Dohoon Kim verwöhnt gemeinsam mit Küchenchef Norbert Stanek die Genießer von gehobener koreanischer Küche mit modernem Twist (da stand Frau Kim sicher mit dem einen oder anderen Ratschlag zur Seite). Das Ambiente ist spannend: einerseits sehr gemütlich durch die Echtholzwandvertefelungen, die mit Kupfertönen einen modernen Touch bekommen, andererseits die Hektik in der Küche, die angeschlossen an die Bar des Lokals nur durch eine Glaswand zum Gästeraum getrennt ist und man somit die fleißigen Köche bei jedem Handgriff beobachten kann.

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Das nette Team hat nicht lange gebraucht, um uns für ein 5-Gänge-Menü zu begeistern, denn neugierig sind wir und Hunger hatten wir auch. Als Gedeck gab es Butter mit Misobröseln on top zu zwei Sorten Brot – natürlich hausgemacht, einmal mit schwarzen Bohnen… was mir so geschmeckt hat, dass ich mir die zweite köstliche Sorte nicht einmal gemerkt habe.

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Der erste Gang: „Cobia Kräuteröl Kräutersalat Zitrusaromen“. Ein weißer Fisch aus dem Pazifik mit sehr feinem Fleisch, die Kräuter- und Zitrusaromen waren fantastisch und der empfohlene Weißwein korrespondierte vorzüglich. Und ich muss sagen, jeder Gang wurde immer besser. Es folgten „Jakobsmuschel Süßkartoffel Misodashi Gurke“ sowie „Calamari Wassermelone Cous Cous“. Beides perfekt gegart und butterweicher Konsistenz mit erfrischend neuen Kombinationen der Beilagen.

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Aber erst beim „Tuna Steak Asiagemüse“ hätten wir gerne vor Freude applaudiert. Ich habe vor geraumer Zeit ein wenig Ekel vor Thunfischsteaks entwickelt, einfach weil die Qualität nicht gut war und ich mir einfach nicht vorstellen kann, wie so viel Thunfisch in der Welt wachsen soll, wie wir Menschen verzehren. Tja, das Team von Modern Korean hat mir zumindest den Ekel genommen und da die einzelnen Gänge eine Auswahl der Küche waren, war zumindest mein Gewissen nicht ganz so beunruhigt, da ich den Thunfisch nicht aktiv bestellt hatte.

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Die nächste Gaumenfreude kam in Form von einer 2er Variation des Schweinebauch daher. Und was soll ich sagen, Fett ist nun einfach DER Geschmacksträger – in so einem kleinen Stück Schwarte macht sich dann auch mein Figurbewusstsein gemütlich und sagt „Schwein drüber“.

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Die Vollendung dieses sagenhaften Menüs wurde schließlich in Form des Bulgogi Steaks mit Graupen, Pilzen und Jungspinat serviert. So wie es sein muss: Zartes Fleisch, eine würzige Sauce, knackige Graupen, Pilze und Gemüse am Punkt! Wir haben die vielen pikanten Gänge so genossen, dass wir kein Dessert mehr essen konnten, aber da es sicherlich bald wieder eine Wiederholung dieses Abends geben wird, können wir das ja bestimmt noch nachholen. Mein Resümee: 100 Punkte für ein sehr engagiertes Team, großartiges Essen und gemütlichem Ambiente.

Tastes good to me!

Swing by vegan!

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Vegan ist in aller Munde und so sprießen auch immer mehr vegane Restaurants in Wien aus dem Boden wie die Frühlingsblümchen. So auch das vegane Fast Food Lokal im 7. Wiener Bezirk: Schillingers Swing Kitchen (Schottenfeldgasse).

Das Selbstbedienungskonzept erinnert auch an die traditionellen Fast-Food-Ketten und ist recht einfach: Anstellen, Aussuchen, Bezahlen, Nummer abwarten, Essen holen.
Die Einrichtung des Lokals lädt nicht gerade zum längeren Verweilen ein, weshalb relativ rasch immer wieder Plätze frei werden. Das Interior-Design ist meiner Meinung nach ein sehr bemühter New-York Style – aber Holz-Kacheln die plötzlich im gleichen Stil in Steinkacheln übergehen … echt jetzt???  Auch nicht unbedingt ausgeklügelt, fehlen doch Kleiderhaken bzw. -ständer, was im Winter etwas unvorteilhaft ist.

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Bei meiner Kostprobe habe ich mich für ein Menü entschieden, das aus einem Falafel-Wrap (Falafel, Tomaten-Humus, Salate, Antipastigemüse, frische Petersilie) mit Gartensalat und frisch gepressten Orangensaft bestand. Der Salat sah sehr ansprechend aus: unterschiedliche, frische Blattsalate, ein paar Karottenraspel, Paprikastückchen, Gurke und Tomate. Leider musste man das Dressing eher suchen, davon war nicht genug am Grünzeug drauf! Der Falafel-Wrap war ordentlich groß und geschmacklich sehr gut. Jedoch war der Wrap-Fladen und auch der Humus kalt und somit kühlten auch die Falafel sehr schnell aus – da gibt es also noch Verbesserungspotential, denn ich habe etwas gegen lauwarmes Essen, das eigentlich warm sein sollte! Ansonsten wird man mit einem derartigen Menü garantiert satt. Wenn man also eine vegane und leckere Alternative zum Mc Donalds ums Eck möchte, ist man in der Swing Kitchen gut aufgehoben.

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Tastes good to me!

Der Fisch ist „on fire“

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Wie oft ist es mir in Wien schon passiert dass ich in einem Restaurant gelandet bin, wo ich niemals von alleine hinein gehen würde, wenn ich z.B. daran vorbei spaziere. Jedoch waren diese kulinarischen Ausflüge bisher noch nie eine Enttäuschung weshalb es mich umso mehr freut, wieder einen neuen Geheimtipp in Wien kennengelernt zu haben (danke an R. für den Tipp). Da ich das Restaurant genial finde und hiermit zum Zwecke des langen Fortbestands dieser Lokalität mit etwas Werbung beitragen will, teile ich diesen Geheimtipp mit euch!

Das istrische Fischrestaurant Tartuf liegt nicht gerade an einer der nettesten Ecken von Wien, wo man zufällig hineinstolpert, denn die Felberstraße ist nach wie vor für etwas andere Etablissements bekannt, zum Glück ist der Eingang am anderen Hauseck, wodurch die Adresse nicht auf die besagte Straße hindeutet!. Umso freundlicher wird man jedoch empfangen und gerade weil das Interior Design nicht gerade dem letzten Trend nachjagt, kommt auch etwas Urlaubsstimmung auf, als wäre man gerade in Kroatien. Von der doch sehr rustikalen Einrichtung darf man sich hingegen nicht täuschen lassen, denn was hier am Teller landet, wertet den Stylefaktor des Lokals enorm auf. Beim Studieren der Menükarte merkt man sofort, dass hier der Fisch das Hauptthema der Küche bildet und die freundliche Servicekraft zählt die zusätzlichen und frisch eingetroffenen Schätze des Meeres auf.

Zur Begrüßung gab es ein Crostini mit Lachs-paté und gegrilltem Oktopus und das Brot inkl. Olivenöl waren ebenso von bester Qualität. Ein gute Start, der auf mehr hoffen lässt.

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Als Vorspeisen haben wir uns für den tagesfrischen Oktupussalat, ein Thunfisch-Carpaccio mit einer Honig-Limetten-Olivenöl-Emulsion auf glasierten roten Zwiebeln und „Salsa verde“ sowie die glasierte Wachtel in Blütenhonig mit gebratenem Eigelb, Erbsenpulver, istrischen Prosciutto – Chips und weißen Motovuner Trüffel entschieden.

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Oktopus-Salat

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Glacierte Wachtel

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Glacierte Wachtel mit Wachtelei… mmmhhh

Nicht nur dass die Speisen wunderschön angerichtet waren, es hat auch exzellent gemundet und die Vorfreude und Wartezeit auf den Hauptgang – Wolfsbarsch in der Salzkruste mit Spinat und Gemüse – versüßten wir uns mit einem herrlichen Weißwein namens „Grasevina“ vom Krauthacker aus Slovenien. Die Slowenen und Kroaten machen mittlerweile wirklich sehr gute Weißweine! Der Flaschenpreis mit 32,- Euro war zwar nicht günstig jedoch ok.

Und plötzlich erregt die Kellnerin meine Aufmerksamkeit … der Koch war mittlerweile mit dem Fisch in der Salzkruste aus der Küche gekommen, doch der brannte lichterloh…

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The fish, the fish, the fish is on fire.

Ein netter Gag, der den Sinn-für-Humor unseres Kochs widerspiegelte und rein für Showzwecke diente, wie sich schnell herausstellte. Danach wurde der Wolfsbarsch professionell ausgelöst und schön angerichtet serviert. Besser geht nicht: der Fisch komplett frisch, zart und saftig, das Karöttchen noch bissfest und der Spinat mit einem Hauch von Knoblauch und natürlich ein Schuss Olivenöl über dieses wunderbare Gericht geträufelt!

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Wolfsbarsch in der Salzkruste gegarrt.

„Leben wie Gott in Frankreich“ … pah, wer will das schon, wenn man den nächsten Kurzurlaub gleich ums Eck an der Felberstraße, neben dem Westbahnhof haben kann! Es sei an dieser Stelle auch erwähnt, dass ein vorzügliches und sehr faires Mittagsmenü angeboten wird (3 kleine Gänge um 13,90 Euro).

Schön wenn Völkerverständigung so gelebt wird, wie hier, denn der Ausspruch „etwas Süßes geht immer“ wurde gleich in die kroatische Gastronomie-Philosophie übernommen und so ordern wir noch alle drei verfügbaren Desserts.

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Mousse au Chocolat mit Zimt und einer Waldbeeren- und Terranosauce

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Cheese Cake mit istrischem Olivenöl

Das Schokomousse mit Zimt war sehr fein und nicht zu süß. Nicht ganz so herausragend war die interessante Interpretation des „Cheese Cakes mit istrischem Olivenöl“ was jedoch ruhig ein wenig intensiver nach Olivenöl hätte schmecken dürfen.

Da es mir beim dritten Dessert komplett die Sprache verschlagen hat, habe ich leider kein Foto mehr gemacht, aber keine Sorge, dass wird nach dem bald anstehenden nächsten Besuch noch nachgereicht! Das Souffle aus Schokolade in einer kalten Vanille- und Trüffelsoße konnte wirklich noch einen krönenden Abschluss auf dieses großartige Menü bieten, denn die Trüffelsoße war so dezent aber faszinierend anders, dass das zartschmelzende Souffle meine Geschmackknospen förmlich zum Dahinschmelzen brachte. Ein wirklich tolles Genusserlebnis und daher kann ich dieses sehr herzlich geführte und vom Preis-Leistungsverhältnis sehr faire Lokal nur jedem ans Herz legen!

Tastes good to me!